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Aktuelle Ausstellung in der Botschaft: Sergei Sviatchenko - Our House

Sergei Sviatchenko gehört zu den einflussreichsten gegenwärtigen Collagenkünstlern der Welt. Die Ausstellung Sergei Sviatchenko – Our House in der Königlich Dänischen Botschaft in Berlin (26. November 2020 - 15. Juni 2021) zeigt eine Auswahl von Sviatchenkos herausragenden Architekturcollagen mit einer besonderen Verbindung zu Berlin.
11.12.2020  18:45

Die Ausstellung zeigt Werke aus der Reihe „Our House. Homage to Arne Jacobsen“ (2019-2020) mit Collagen des bekannten grünen Einfamilienhauses des dänischen Architekten Arne Jacobsen im Berliner Hansaviertel, wenige hundert Meter von der Botschaft entfernt.

Darüber hinaus enthält die Ausstellung Werke aus der Reihe „Dream Machine. Homage to INTERBAU 57 Berlin“ (2019) mit Architekturcollagen von Gebäuden der internationalen Bauausstellung Interbau 57, ebenfalls im Berliner Hansaviertel, im Rahmen dessen eine Reihe internationaler Architekten wie Arne Jacobsen, Le Corbusier, Alvar Aalto, Oscar Neumeier und Walter Gropius einzigartige und zeitlose Architektur schufen.

Für die Dream Machine-Reihe wurde auch dieses Video von Noriko Okaku mit Sergei Sviatchenkos Artwork und Musik von Konstantin Schimanowski geschaffen, das unabhängig von der Ausstellung in der Botschaft einen Eindruck von Sviatchenkos künstlerischer Arbeit vermittelt.

Die Werke von Sergei Sviatchenko basieren auf dem LESS-Prinzip, das der Künstler 2004 als Reaktion auf die oft unüberschaubare Verwendung von Elementen in der klassischen und modernen Collage selbst einführte. Das LESS-Prinzip zeichnet sich durch eine strikte Reduzierung der Elemente aus, die das Bild erzeugen, häufig nur 2-3 Elemente, die auf einem Foto oder auf einem klaren Farbhintergrund platziert sind.

Besuch der Ausstellung

Die Ausstellung ist derzeit aufgrund von Corona-Maßnahmen leider nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Sobald Besuche in der Ausstellung möglich werden, wird dies auf dieser Seite bekannt gegeben.

Über den Künstler

Sergei Sviatchenko (* 1952) hat einen Abschluss in Kunst und Architektur von der Kharkov Kunstakademie in der Ukraine und einen Ph.D. von der Architekturakademie in Kiew. 1990 zog er nach Dänemark und lebt und arbeitet seitdem in Viborg, wo er 2002 den Ausstellungsort Senko Studio gründete, von dem aus er bis 2009 wechselnde Ausstellungen kuratierte. Anschließend gründete er den Modeblog Close Up and Private, der schnell internationale Anerkennung fand.

Sviatchenko wuchs in den 1960er Jahren in der Ukraine auf und erlebte die revolutionären Veränderungen in der Weltgemeinschaft aus erster Hand. In seiner Kunst verbindet Sviatchenko Popkultur mit Politik, Geschichte, Wissenschaft und Architektur. Sviatchenkos Kunst ist geprägt von seinem Hintergrund als Architekt, findet aber auch Inspiration in bedeutenden kunsthistorischen Strömungen wie der sowjetischen Avantgarde, dem Konstruktivismus, dem Surrealismus, dem abstrakten Expressionismus und der Popkultur, in denen Musik eine zentrale Rolle spielt.

Sviatchenkos Gemälde und Collagen wurden u.a. in Dänemark, Deutschland, Italien, Frankreich, England, Kanada und den USA ausgestellt. Er steht hinter einer Reihe großer Raumdekorationen für Unternehmen wie Jyske Bank, Universität Aalborg, Poul Due Jensen Academy, Grundfos und Magasin du Nord.

Sviatchenko ist Gründer der LESS Collage Academy – International Academy for Contemporary Collage Art.

Weitere Informationen: https://www.sviatchenko.dk/

Gespräch mit Sergei Sviatchenko

Das Gespräch mit dem Künstler führte Kunsthistoriker und Kurator Christian Kortegaard Madsen

Was ist LESS-Collage?

„Ich habe das LESS-Prinzip 2004 in meiner gleichnamigen Serie eingeführt, die als Reaktion auf die vielfach fragmentierte und oft unüberschaubare Verwendung von Elementen in der klassischen und modernen Collage entstanden ist. Das LESS-Prinzip zeichnet sich durch eine sehr strikte Reduzierung der Elemente aus, die das Bild erzeugen. Tatsächlich verwende ich oft nur zwei oder drei Elemente, die auf einem Foto, wie es z.B. bei den Arne Jacobsen-Collagen der Fall ist, oder auf einem deutlich klaren und rein farbigen Hintergrund platziert sind. Wenn die Elemente optimal platziert sind, können sie eine ganz neue Realität schaffen. Es ist ein bisschen so, als würde man eine Hand vor das Gesicht halten und dann ein Selfie machen - der Ausdruck ist deutlich anders, obwohl das Instrument einfach ist! Oft kann ich das Motiv aus einem narrativen und geografischen Kontext befreien und die ansonsten erkennbaren Elemente traumhaft oder surreal machen. Die Schnitte, die ich im Originalmaterial mache, bringen es einem mehrdeutigen und abstrakten Motiv näher, in das die Menschen selbst Sinn projizieren können.“

Warum mit Arne Jacobsen arbeiten?

„Alles in Arne Jacobsens Werk strebt nach Zukunft und wird zu einem erwartungsvollen Ausforschen des Möglichen. Jacobsen war unglaublich lösungsorientiert, ohne jedoch den Sinn für Materialität, Qualität, Form und Farbe zu verlieren. Jacobsens Produktion ist für gewöhnliche Menschen gemacht, und obwohl der Fokus auf Komfort und Funktion liegt, kommt er durch seinen Sinn für Proportionen und Materialien zu einem ästhetischen Ergebnis, mit dem man sich ein Leben vorstellen kann.“

Warum ist es interessant, die Serien Dream Machine und Our House zu kombinieren?

„Die beiden Serien sind in gewisser Weise bereits miteinander verbunden - sowohl durch ihre Ähnlichkeiten als auch durch ihre Unterschiede. Mit Arne Jacobsens Wohnkonzept, das aus kubischen Raummodulen mit großen Fensteröffnungen zu einem grünen und üppigen Innenhof bestand, verband er eine ländliche und eine urbane Atmosphäre. Man kann sagen, dass Jacobsen sein Wohnkonzept für den modernen, holistischen Menschen machte, der sowohl aus Kultur als auch aus Natur besteht. Es ist ein nachdenkliches und sympathisches Konzept, das die Prinzipien der skandinavischen Moderne zeigt. Meine künstlerische Interpretation der Gebäude von Arne Jacobsen unterstützt die Bedeutung der Idee von Details, die für Jacobsens Arbeit so charakteristisch sind.

Die Interbau 57 war ein Wohnbauprojekt, das im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 1957 im Westberliner Hansaviertel gebaut wurde. 48 internationale Architekten - darunter Arne Jacobsen, Le Corbusier, Alvar Aalto, Oscar Neumeier, Walter Gropius usw. - entwarfen eine einzigartige, zeitlose Architektur, die es verdient, diskutiert und erforscht zu werden - nicht zuletzt künstlerisch! Und hier bemühe ich mich mit meinen Collagen, eine surreale, traumhafte Perspektive hinzuzufügen, in der bekannte Fragmente, dies gilt auch für Jacobsens Gebäude, kombiniert werden und neue Zusammenhänge und Ganzheitlichkeiten schaffen. Die Collagen ziehen Grenzen zwischen dem Persönlichen, dem Sinnlichen und dem Unbewussten, die unsere Vorstellungskraft nähren.“

Was kann Collage, was andere traditionellere Kunstmedien nicht können?

„Die Collage ist per Definition ein gemischtes Medium, bei dem das Ganze in Fragmente zerlegt wird, die zusammengefügt werden, so dass ein neues Ganzes entsteht. Die Collage funktioniert somit als Kaleidoskop, das Ereignisse, Erfahrungen und Stimmungen aus verschiedenen Zeiten in der Geschichte oder in unserem Leben enthält. Auf diese Weise kann man auch sagen, dass die Collage mit unserer Interpretation und unserem Verständnis der Realität spielt. Sie ist geprägt durch Spontanität und Ehrlichkeit; eine irreführende Einfachheit, und dann kann sie normalerweise von jedem gelesen werden.“